Lasst uns 365 Frauentage begehen!
Der 8. März ist nicht irgendein Tag. Der 8. März ist ein Symbol dafür, dass man auch gegen überdimensionierte, scheinbar unüberwindbare Probleme und Missstände erhaben sein kann, wenn man solidarisch zusammensteht und -arbeitet.
Der 8. März ist nicht irgendein Tag. Der 8. März ist ein Symbol dafür, dass man auch gegen überdimensionierte, scheinbar unüberwindbare Probleme und Missstände erhaben sein kann, wenn man solidarisch zusammensteht und -arbeitet.
Der 8. März ist der Internationale Frauentag, ein Tag bei dem es nicht nur darum geht, dass die Ehefrau, Mama, Oma, Schwester oder Kollegin eine Blume geschenkt bekommt und vielleicht zum Essen ausgeführt wird. Viel mehr liegen die Ursprünge eben jenes Tages in den Nebeln der Vergangenheit, einer Vergangenheit deren Zustände aus heutiger Sicht betrachtet mehr als unwirklich erscheinen. Diese Zeit ist auch als Industrielle Revolution bekannt und vor allem durch die absolute Ausbeutung der Arbeiter*Innen gekennzeichnet. Maschinen und lukrative Erträge und Gewinne waren den Großkapitalisten jener Tage wichtiger und mehr wert, als zum Beispiel die Unterbringung, Verpflegung und die eh schon mangelhaften Partizipationsmöglichkeiten der Angestellten. Dennoch stieg die Anzahl an Beschäftigten rapide an und fortan arbeiteten nicht nur Männer in den Fabriken, sondern auch immer mehr Frauen, welche vorrangig in Industriezweigen, wie der Textilindustrie eingesetzt wurden. Sie leisteten die gleiche Arbeit wie ihre männlichen Kollegen, erhielten dafür aber nur einen Bruchteil des Lohnes und waren in der Folgezeit ihrer politischen Mitsprache entmündigt. Dieser Konflikt schwelte und entlud sich in mehreren Streiks, wie etwa dem im Jahr 1909 in New York, bei dem etwa 20.000 Arbeiterinnen über Wochen ihre Arbeit niederlegten. Erste Überlegungen einen Internationalen Frauentag, der jährlich begangen werden sollte, einzuführen fand seinen Ursprung auf der II. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz im Jahr 1910 unter Federführung der deutschen Sozialistin Clara Zetkin.
So wurde am 18. März des darauffolgenden Jahres in Österreich, Deutschland, Dänemark, den USA und der Schweiz der erste Internationale Frauentag unter Mitwirkung von über einer Million Frauen begangen. Zentrale Forderung war das aktive und passive Frauenwahlrecht einzuführen. Zurückgeworfen durch den Ersten Weltkrieg, nahm die Frauenbewegung ab dem Jahr 1921 wieder an Fahrt auf. So wurde auf der Zweiten Konferenz kommunistischer Frauen in Moskau beschlossen, den Internationalen Frauentag auf den 8. März zu legen. Dem Datum, an dem im Jahr 1917 der Frauentag in Russland begangen wurde und von dem ausgehend es zu Streiks der Arbeiterinnen in den Textilfabriken kam. Diese breiteten sich aus und so streikten bald 90.000 Menschen. Diese Arbeitsniederlegungen können als ein Auslöser der Februar-Revolution jenes Jahres gesehen werden, die den Zaren stürzte und Russland eine provisorische bürgerliche Regierung brachte.
Im Andenken an eben jene Arbeiterinnen fand 1922 der erste Internationale Frauentag, der auf den 8. März festgelegt wurde, statt. Doch diente dieses Datum im Verlauf der Geschichte nicht nur als Kampftag für bessere Verhältnisse. In der Zeit zwischen 1933 und ’45 – dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte – wurde der Frauentag, wie alle sozialistischen Identifikationsformen, von den Nationalsozialisten verboten. An seine Stelle rückte der Muttertag, der ideologisch stark mit der Vorstellung der „germanischen Herrenrasse“ verknüpft war, in den öffentlichen Fokus. Der Frauentag wurde eher im privaten gefeiert und war damit eine Abgrenzungsform der Sozialistinnen und Sozialisten jener Tage.
Nach dem Krieg entwickelte sich der Frauentag im getrennten Deutschland sehr unterschiedlich. So führte man schon im Jahr 1946 den 8. März wieder als Internationalen Frauentag in der DDR ein und zelebrierte ihn auch bis zur politischen Wende im Jahr 1990 zwar mit einem agitatorischem Hintergedanken, aber dennoch im Sinne seiner Tradition für den sozialistischen Arbeiter*Innenkampf.
Doch die Frage, die sich einem stellt ist, ob der 8.März 2014 wirklich der Endpunkt oder das finale Ergebnis dieses Prozesses ist. Die Antwort hierauf lautet: Nein! Denn, obzwar die Frauen in Deutschland und vielen Staaten auf der Welt ein Wahlrecht haben, wird ihnen das Recht in vielen anderen Ländern versagt. Weiterhin sehen sich Frauen weit häufiger mit Diskriminierung und Gewalt konfrontiert, als Männer. Viele Frauen verdienen heute bei gleicher Arbeit, signifikant weniger als Männer bzw. bleibt ihnen der Zugang zu Führungsposten an sich verwehrt.
Gerade aus diesen Gründen ist der 8. März 2014 kein Endpunkt auf dem langen Weg hin zu einer Gesellschaft in der Frauen nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch vor dem moralischen Hintergrund als gleichwertige Mitglieder betrachtet werden. Sicherlich hat sich in den letzten 100 Jahren schon viel an der Situation und dem Rollenbild der Frau verbessert, viele gesellschaftliche Missstände geben aber immer noch Anlass zum Handeln. So muss die Emanzipation ein ständiger, ja fast nie endender Prozess sein der sowohl auf den Straßen, wie eben anlässlich des Internationalen Frauentages, sowie in den Parlamenten eine Stimme bekommt.
Für beide Seiten setzt sich die Partei DIE LINKE ein. Es werden zum Beispiel Demonstrationen und partizipatorische Vorgänge, sowie der Streik als Instrument der Arbeiterinnen und Arbeiter genauso unterstützt wie Probleme häufig allein von Seiten der Linksfraktionen in den verschiedenen Parlamenten angesprochen werden.
Für uns als soziale, feministische und emanzipatorische Partei ist der Kampf für die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der Frauen ein wichtiger Pfeiler unserer Politik. Wir setzen uns als Hochschulgruppe DIE LINKE.SDS in allen politischen Handlungsfelder für einen fortlaufenden Prozess der Gleichberechtigung ein. Lasst uns 365 Frauentage begehen! Für den Anfang wünschen wir einen sonnigen 8. März und einen kämpferischen Frauentag!

