„Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.“
Heute sind in ganz Deutschland Studentinnen und Studenten für eine bessere Bildung auf die Straßen gegangen. So auch in Rostock. Wir dokumentieren euch einen Redebeitrag von unserem stellvertretenden Hochschulgruppensprecher Phillip Bock.
Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen aus Rostock, Greifswald und dem ganzen Bundesland, liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Leute, denen die Bildung am Herzen liegt,
mein Name ist Phillip Bock und ich rede hier nicht nur als Stellvertretender Sprecher der Hochschulgruppe Die Linke.SDS zu euch, sondern auch als Lehramtsstudierender der Fächer Geschichte, Spanisch und Religion.
Liebe Mitstudierende, es ist ein Fakt, dass die Landesregierung nach dem Bildungsstreik im vergangenen November zu dem über 3000 Studierende nach Schwerin gereist sind für die Hochschulen ein Geldpaket in Höhe von 17 Millionen Euro bereitgestellt hat. Was als ein Akt der Großzügigkeit rüberkommen sollte, war aber leider nichts anderes als Augenwischerei. Denn bei den Geldern handelte es sich um Finanzmittel aus dem Hochschulfinanzierungspakt mit dem Bund. Hätte man sie also nicht für die Hochschulen bereitgestellt, so hätten sie direkt an den Bund zurücküberwiesen werden müssen.
Es ist ebenfalls ein Fakt, das im aktuellen Haushalt ein Überschuss von 360 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. Das ist eine gute Nachricht. Aber dem gegenüber verweisen Rektorinnen und Rektoren, sowie die Kanzler der Hochschulen im Land auf ein Defizit von rund 40 Millionen Euro.
Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen es kann nicht sein, dass aufgrund der Unterfinanzierung von Hochschulen diese in die Bredouille gebracht werden Drittmittel einwerben zu müssen, um den Wissenschaftsbetrieb am laufen zu halten. Denn was resultiert daraus? Richtig die Hochschulen bringen sich in eine Abhängigkeit von der Privatwirtschaft beziehungsweise von Institutionen, wie der Bundeswehr, die absolut nicht sein dürfen. Ich verweise an dieser Stelle gerne darauf, dass die Universität Rostock die Zivilklausel unterschrieben hat, trotzdem forschen Maschinenbauer an Gerätschaften zum Aufspüren von Seeminen. Da Frage ich mich, sollen wir für dumm verkauft werden?
Ein nächster Punkt, der gegen den Druck auf Drittmitteleinwerbungen spricht, ist der Fakt, dass diese für bestimmte Fachbereiche, wie etwa die Naturwissenschaften, traditionell wesentlich einfacher gehen, als für beispielsweise die Geisteswissenschaften, die ihre Drittmittel größtenteils durch Publikationen akquirieren.
So kommt es dann, dass man in der Philosophischen Fakultät in der August-Bebel-Straße gerne mal mit 50 Leuten in einem Raum sitzt, der für 30 ausgelegt ist und das ganze in einem Gebäude, das nicht mal im geringsten irgendwelchen Brandschutzverordnungen entspricht. Weiterhin entspricht das sinkende Kursangebot in keinster Weise den steigenden Studierendenzahlen. Doch was tut das Land? Es verschließt die Augen davor! Besonders heikel wird es, wenn man sich einmal bewusst macht, dass da nicht nur die Studierenden drunter leiden, was schon schlimm genug wäre, nein, es leiden auch Generationen von Schülerinnen und Schülern unter diesem Sparwahn, denn welche Studienrichtung ist formal komplett an der Philosophischen Fakultät immatrikuliert? Richtig, dass sind die Lehramtsstudierenden, die knapp die Hälfte der gesamten Rostocker Studierendenschaft ausmachen.
Weiterhin werden durch diese Abhängigkeit von den Drittmitteln die Universitäten und Fakultäten in einen Wettbewerb gebracht, der für die Bildung absolut kontraproduktiv ist, denn jeder Studiengang hat seine Daseinsberechtigung, auch wenn er eben nicht konkurrenzfähig ist.
Aufgrund dieser ganzen Tatsachen habe ich eine Frage an unseren Bildungsminister Matthias Brodkorb: „Ist ihnen nicht aufgefallen, dass Bildung keine Ware ist, sondern ein Menschenrecht?“ Es kann nicht seine liebe Mitstudierende, dass nur die Zugang zu Bildung haben, die es sich leisten können. Wir fordern Teilhabe für alle! Das kann aber nur erreicht werden, wenn von Seiten der Politik ein Interesse daran besteht, denn Teilhabe ist eben mehr, als nur im Seminarraum anwesend zu sein. Teilhabe fängt schon bei günstigen Wohnungsangeboten, verbesserten Verhältnisse für Studierende mit Kindern oder gesundheitlichen Einschränkungen und einer Demokratisierung aller Lebensbereiche an und es ist verdammt nochmal die Aufgabe des Staates dies zu ermöglichen.
Darum sagen wir ganz klar:
Nein zum Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern!
Nein zur Schließung von Instituten und Fakultäten beziehungsweise zur Streichung ganzer Studiengänge!
Nein zur Ausbeutung von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sowie Doktorandinnen und Doktoranden!
Nein zu Vakanzhaltungen von Stellen, nur um Betriebskosten zu begleichen und
Nein zur Nichteinhaltung der Zivilklausel!
Wer Nein sagt, der muss aber auch Sachen bejahen können, deshalb sagen wir,
Ja zur Stärkung der sozialen Infrastruktur!
Ja zur Demokratisierung der Bildung und
Ja zur Ausfinanzierung der Hochschulen, was bei einem derartigen Überschuss im Landeshaushalt bei weitem kein Problem darstellen dürfte!
Ich wünsche uns allen, viel Erfolg für die Durchsetzung unserer Ziele. Lasst euch gesagt sein, es lohnt sich immer und überall für die Bildung zu streiten, denn diese Streitereien sind der Grundstein für Veränderungen und verändern muss sich etwas. Auch, wenn das die CDU und andere Parteien vielleicht anders sehen und oft auch mit der Unterstützungen ihrer peinlichen Jugendorganisationen, wie etwa der Jungen Union versuchen durch haltlose Unterstellungen unser Engagement für eine bessere Bildung und damit Zukunft kaputt zu reden. Diesen Leuten ist nicht mehr zu helfen und ich frage mich, was geht in diesen Köpfen vor. Wir werden auf jeden Fall mit euch weiterstreiten, denn wie wusste schon der amerikanische Präsident John F. Kennedy: „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.“
Danke für eure Aufmerksamkeit.


