Der Captain ist wieder an Bord
Heute hat die Bürgerschaft entschieden den zuvor geschassten Intendanten Sewan Latchinian wieder einzustellen. Eine gute Entscheidung!
Knapp zwei Wochen war das Volkstheater ohne Captain. Knapp zwei Wochen voller Ungewissheit und Wut über die, die die Entscheidung der fristlosen Kündigung Latchinians im Hauptausschuss der Hansestadt Rostock getroffen haben. Doch der Reihe nach, was war überhaupt passiert?
Auf einer Veranstaltung zum Erhalt der Theaterstruktur in Neustrelitz verglich Sewan Latchinian die Kulturpolitik, die derzeit in Mecklenburg-Vorpommern betrieben wird, mit der Kulturzerstörung durch den Islamischen Staat. Sicherlich ein Vergleich, über dessen Angemessenheit man streiten kann aber es gilt auch immer wieder zu betonen, dass es eben ein Vergleich und keine Gleichsetzung war. Dazu kommt, dass Sewan Latchinian als Schauspieler, Regisseur und Künstler eben auch in Diskussionen und verbalen Auseinandersetzungen die Waffe der Sprache und ihres Gebrauches einzusetzen weiß. Vielleicht zu effektiv für einige Politiker*Innen in diesem Bundesland, denn es kam wie es kommen musste, die Totengräber in diesem Bundesland rotteten sich zu einer Allianz zusammen, die das Ziel hatte Latchinian, der schon vorher – durch seine Kritik an den Sparvorgaben des Landes im Kulturbereich – bei Oberbürgermeister Methling und „Kultus“minister Brodkorb in Missgunst gefallen ist. So scheint es, dass diese den IS-Vergleich nur als vorgeschobenes Argument genutzt wurde, um eine unliebsame Person aus einer entscheidungstragenden Position zu entfernen.
Was dann folgte, konnten die Stadtvertreter*Innen allerdings nicht ahnen, denn eine ungeahnte Welle der Solidarität schwappte aus dem recht kleinen Kreis der Theaterfreunde zunächst auf die Stadtgesellschaft und später sogar auf ganz Deutschland über. Von allen Seiten ernteten Methling und seine Komplizen in dieser Sache harsche Kritik. Diese Stimmung entlud sich am vergangenen Wochenende in einer großen Zuschauerkonferenz zu der Teilnehmer*Innen aus ganz Deutschland anreisten. Den Höhepunkt stellte am vergangenen Montag eine Menschenkette dar, die sich vom Volkstheater bis zum Neuen Markt erstreckte. Dort fand am Nachmittag, zeitgleich zu der außerordentlichen Bürgerschaftssitzung, auf der die Entscheidung des Hauptausschusses kassiert werden sollte und wurde, eine Demonstration statt, auf der zwischenzeitlich 800 Menschen ihren Wunsch nach einer Wiedereinstellung Latchinians kundtaten. Unterstützung fanden sie in Redner*Innen, wie Alt-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, die sich mit viel Herz und Kopf gegen die Entlassung aussprachen.
Das Ende vom Lied war, dass die Bürgerschaft den Beschluss des Hauptausschusses aufhob und Oberbürgermeister Methling anwies Sewan Latchinian wieder in sein Amt als Intendanten einzusetzen. Dieser hat nun eine zwei Wochen Frist, um gegen den Bürgerschaftsbeschluss vorzugehen und Widerspruch einzulegen. Es wäre ihm gut geraten, dies zu lassen, denn es bleibt durchaus positiv festzuhalten, dass in Rostock sich schon seit langer Zeit die Menschen nicht mehr so begeistert und mit so viel Herz für ein Thema engagiert haben. Schön, dass dieser Elan nun auch belohnt wurde, denn der Captain ist wieder an Bord.

