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Arbeitszeit: Arbeit gerechter verteilen, selbstbestimmter leben

Die Antwort der Bundesregierung auf meine schriftliche Frage (PDF) zeigt, dass die Arbeitsproduktivität (pro Stunde) in Ländern mit niedriger durchschnittlicher Arbeitszeit höher ist als in Ländern in denen überdurchschnittlich viel gearbeitet wird. In den Arbeitswissenschaften ist dieser Effekt hinlänglich bekannt: Längere Arbeitszeiten führen nicht zu mehr Produktivität.

Von Jessica Tatti, Sprecherin für Arbeit 4.0 der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag


Die Antwort der Bundesregierung auf meine schriftliche Frage (PDF) zeigt, dass die Arbeitsproduktivität (pro Stunde) in Ländern mit niedriger durchschnittlicher Arbeitszeit höher ist als in Ländern in denen überdurchschnittlich viel gearbeitet wird. In den Arbeitswissenschaften ist dieser Effekt hinlänglich bekannt: Längere Arbeitszeiten führen nicht zu mehr Produktivität. Nachweislich steigt spätestens nach der achten Arbeitsstunde das Unfallrisiko an, die Konzentration nimmt stark ab. Man arbeitet folglich mit zunehmender Arbeitsdauer ineffektiver. Die Arbeitgeberverbände drängen massiv darauf, das Arbeitszeitgesetz aufzuweichen, damit zukünftig auch über die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden hinaus gearbeitet werden kann. Dabei gibt es kein schlüssiges Argument für überlange Arbeitszeiten. Sie senken nicht nur die Arbeitsproduktivität, sondern erhöhen auch das Fehler- und Unfallrisiko und machen Beschäftigte auf Dauer krank. Arbeitswissenschaftler und Arbeitsmediziner warnen ausdrücklich vor einer Ausweitung der täglichen Arbeitszeit. Dies würde einen direkten Angriff auf die Gesundheit der Beschäftigten bedeuten. Die Arbeitgeberverbände scheint das nicht zu interessieren.

Ungeheure Entwertung der Arbeit

Im vergangenen Jahr haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland 1,7 Milliarden Überstunden geleistet, davon fast eine Milliarde unbezahlt. Eine ungeheure Entwertung von Arbeit. Das Arbeitsvolumen aller Überstunden entspricht rechnerisch etwa einer Million Vollzeitstellen, die neu geschaffen werden könnten. Demgegenüber stehen viele Teilzeitbeschäftigte, die aus finanziellen Gründen ihre Arbeitszeit ausweiten wollen, dies aber ohne rechtlichen Anspruch nicht durchsetzen können. Unfreiwillige Teilzeit erhöht nicht nur das gegenwärtige Armutsrisiko, sondern kann auch in die Altersarmut führen. Manche Vollzeitbeschäftigten hingegen wünschen sich, ihre Arbeitszeit vorübergehend abzusenken, um ihre Arbeit mit dem Privatleben besser vereinbaren zu können. Gerade in Zeiten der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen ist eine Reduzierung der Arbeitszeit für viele Beschäftigten hilfreich. Ohne ein gesetzliches Rückkehrrecht zur vorherigen Vollzeitstelle wird dies zum persönlichen Risiko. Ein entsprechendes Gesetz, das derzeit von der Bundesregierung in Planung ist, wird über 95 Prozent der Betriebe nicht betreffen. Wir fordern daher ein Recht auf die Rückkehr in Vollzeit für alle Beschäftigten. Wichtig ist dabei, dass die Beschäftigten eigenständig entscheiden, wann und für welchen Zeitraum sie ihre Arbeitszeit erhöhen oder absenken. Eine Reduzierung der Wochenhöchstarbeitszeit von 48 auf 40 Stunden, wie sie DIE LINKE fordert, zielt darauf die massiven Überstundenzahlen zu verringern und somit die vorhandene Arbeit gerechter zu verteilen. DIE LINKE möchte in diesem Zuge auch die Debatte um eine generell kürzere Vollzeit von 30 bis 35 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich anstoßen.